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Konstruktion

Hinterlüftete Metallfassade – Aufbau, Funktion, Ausführung

Anthrazitfarbene Metallfassade mit roten Fensterlaibungen in der Untersicht

Eine hinterlüftete Metallfassade trennt Wetterschutz und Dämmung durch eine belüftete Luftschicht. Feuchtigkeit wird abgeführt statt eingeschlossen – das ist der Grund, warum diese Bauweise an stark bewitterten und mehrgeschossigen Gebäuden zum Standard geworden ist.

Was die Luftschicht leistet

Zwischen Dämmung und Metallbekleidung liegt ein durchgehender Luftspalt. Erwärmte Luft steigt darin auf und zieht Feuchtigkeit mit, die von aussen durch Fugen eindringt oder von innen aus dem Bauteil kommt. Die Dämmebene bleibt dadurch trocken und behält ihre Wirkung – nasse Dämmung dämmt nicht.

Ebenso wichtig ist der Effekt im Sommer: Die Metallbekleidung wird in der Sonne heiss, gibt einen Teil dieser Wärme aber an die aufsteigende Luft ab, statt sie in die Konstruktion zu leiten. Das entlastet die dahinterliegenden Schichten und wirkt sich auf das Raumklima der obersten Geschosse aus.

Damit das funktioniert, muss die Luftschicht durchgehend sein. Jede Unterbrechung – ein durchlaufendes Profil, eine dichte Leibung, eine vergessene Öffnung über einem Fenstersturz – erzeugt eine tote Zone, in der Feuchtigkeit stehen bleibt. Solche Stellen sind später von aussen nicht erkennbar und werden erst im Schadensfall sichtbar.

Zuluft, Abluft, Querschnitt

Die Luft tritt am Sockel ein und an der Attika aus; bei gegliederten Fassaden zusätzlich unter und über Fensteröffnungen. Die Öffnungen brauchen einen ausreichenden freien Querschnitt und dürfen nicht durch Bleche, Dichtungen oder nachträgliche Anbauten zugestellt werden. Lochgitter gegen Insekten und Kleintiere reduzieren den freien Querschnitt – das ist bei der Bemessung zu berücksichtigen, nicht danach.

Ein häufiger Fehler im Bestand: Nach Jahren wird ein Vordach, ein Sockelbelag oder eine Terrassenerhöhung ergänzt und verschliesst dabei die Zuluft. Die Fassade sieht unverändert aus, die Hinterlüftung ist aber ausser Funktion. Wer am Sockel arbeitet, sollte die Öffnungen kennen und offenhalten.

Dämmung und Brandschutz

Gedämmt wird in der Ebene der Unterkonstruktion, stossfrei und lückenlos zwischen den Konsolen. Die Dämmstoffdicke bestimmt den U-Wert und damit auch die möglichen Förderbeiträge; die Dämmstoffart bestimmt, was der Brandschutz erlaubt. Mineralwolle ist nicht brennbar und deshalb die übliche Wahl in der hinterlüfteten Fassade.

Die Luftschicht ist brandschutztechnisch der kritische Punkt: Sie kann im Brandfall wie ein Kamin wirken. Ab bestimmten Gebäudehöhen verlangen die Vorschriften deshalb nicht brennbare Dämmung und horizontale Brandriegel, die die Hinterlüftungsebene geschossweise unterteilen. Diese Anforderung bestimmt die Systemwahl und gehört vor die Materialbestellung – abgestimmt mit Bauleitung und Brandschutzfachperson.

Unterschied zum Wärmedämmverbundsystem

Beim Verbundsystem wird die Dämmung auf die Wand geklebt und verputzt; Wetterschutz und Dämmung bilden eine Schicht. Beim hinterlüfteten Aufbau sind sie getrennt. Das macht die Konstruktion unempfindlicher gegen Schlagregen, mechanisch robuster und reparaturfreundlicher: Eine beschädigte Kassette wird getauscht, ohne die Dämmebene zu öffnen.

Dafür ist der Aufbau dicker, aufwendiger in der Planung und in der Erstinvestition teurer. Die Entscheidung fällt meist über Gebäudehöhe, Bewitterung und Nutzungsdauer: Wo eine Fassade Jahrzehnte ohne erneute Massnahme auskommen soll und stark bewittert ist, spielt die Hinterlüftung ihre Stärken aus.

Was bei der Ausführung entscheidet

Drei Punkte machen den Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer nur richtig aussehenden Fassade: eine durchgehende, nirgends zugestellte Luftschicht; eine stossfrei eingebaute Dämmung ohne Fugen an Konsolen und Anschlüssen; und eine Unterkonstruktion, die die Wärmedehnung der Bekleidung aufnimmt, ohne sie zu klemmen.

Alle drei entstehen auf dem Gerüst und sind nach der Montage nicht mehr prüfbar. Deshalb dokumentieren wir Dämmeinbau und Anschlüsse während der Ausführung – Fotos je Fassade und Geschoss, bevor die Bekleidung geschlossen wird. Das ist im Streitfall die einzige belastbare Grundlage.

Häufige Fragen

Hinterlüftete Metallfassade – kurz beantwortet

Was ist der Unterschied zwischen hinterlüftet und vorgehängt?
Vorgehängt beschreibt die Befestigung: Die Bekleidung hängt an einer Unterkonstruktion vor der Tragwand. Hinterlüftet beschreibt die Funktion: Zwischen Bekleidung und Dämmung liegt eine belüftete Luftschicht. In der Praxis treten beide gemeinsam auf – die vorgehängte hinterlüftete Fassade, kurz VHF.
Wie dick muss die Luftschicht sein?
Massgeblich ist ein durchgehender, nirgends unterbrochener Spalt mit ausreichendem freiem Querschnitt an Zuluft und Abluft. Die konkrete Bemessung hängt von Fassadenhöhe, Gliederung und Systemvorgabe des Herstellers ab. Kritisch ist weniger das Nennmass als die Frage, ob die Luft über die ganze Höhe wirklich durchziehen kann.
Kann man auf einer bestehenden Fassade hinterlüftet aufbauen?
In der Regel ja, entscheidend ist der Untergrund. Er muss die Konsolen tragen; bei heterogenem Bestand klären Auszugsversuche, welcher Dübel wo hält. Alter Putz muss nicht abgetragen werden, solange er lose Stellen nicht verdeckt. Das prüfen wir bei der Aufnahme, bevor gerechnet wird.
Pfeift oder klappert eine hinterlüftete Metallfassade bei Wind?
Richtig ausgeführt nicht. Geräusche entstehen, wenn Bleche zu straff befestigt sind und bei Temperaturwechsel arbeiten, wenn Befestigungen sich gelockert haben oder wenn Öffnungen ungünstig angeströmt werden. Fest- und Gleitpunkte sowie die Wahl der Befestigungsmittel entscheiden das – nicht die Bauweise an sich.

Weiterführend

VHF

Vorgehängte hinterlüftete Fassade als Leistung

Unterkonstruktion

Konsolen, Verankerung, Wärmebrücken

Systeme & Materialien

Dämmung, Profile und Bekleidung im Aufbau

Fassadenarten

Acht Bauarten mit Einsatzbereichen

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