Korrosivität am Standort: welche Metallfassade wohin passt
Dieselbe Fassade kann auf dem Land fünfzig Jahre halten und neben der Autobahn nach fünfzehn Jahren Rostspuren zeigen. Der Unterschied liegt im Standort – und in der Planung dafür.
Die Umgebung greift an
Metallfassaden sind korrosionsbeständig, aber nicht unter allen Bedingungen gleich. Wie aggressiv eine Umgebung ist, beschreiben Korrosivitätskategorien von C1 (sehr gering, etwa beheizte Innenräume) bis C5 (sehr hoch, etwa Küsten- und Industrieatmosphären). Für Fassaden in der Schweiz liegen die meisten Standorte bei C2 oder C3; es gibt aber Zonen, die deutlich darüber liegen.
Typische Standorte in der Schweiz
- Ländlich und vorstädtisch: geringe Belastung, meist C2. Hier reichen Standardbeschichtungen.
- Städtisch mit Verkehr: Abgase und Staub, meist C3.
- Entlang von Autobahnen und Hauptstrassen: Im Winter trägt die Gischt Streusalz an die Fassaden. Die unteren Geschosse und die strassenseitigen Flächen sind besonders betroffen.
- Industrie und Chemie: Je nach Betrieb säurehaltige oder alkalische Immissionen.
- Seeufer und Hallenbäder: Hohe Feuchte über lange Zeit, bei Hallenbädern zusätzlich Chlor.
- Landwirtschaft: Ställe mit Ammoniak greifen Beschichtungen und verzinkte Teile an.
Was man an die Kategorie anpasst
Das Material: Aluminium bildet eine schützende Oxidschicht und ist in den meisten Umgebungen gut geeignet. Verzinkter und beschichteter Stahl braucht in aggressiver Umgebung dickere Zink- und Beschichtungssysteme. Kupfer und Titanzink entwickeln eine Patina, die sie schützt.
Die Beschichtung: Hersteller geben für ihre Beschichtungen an, für welche Kategorie sie ausgelegt sind. Die Wahl richtet sich nach dem ungünstigsten Teil des Gebäudes, nicht nach dem Durchschnitt.
Die Befestigung: Schrauben und Nieten sind die schwächste Stelle. In C3 und höher gehören sie aus Edelstahl, und zwar in einer Qualität, die zur Belastung passt. Verzinkte Schrauben neben Streusalz sind ein häufiger Grund für Rostfahnen auf sonst intakten Fassaden.
Kontaktkorrosion: wenn Metalle sich berühren
Treffen zwei unterschiedliche Metalle unter Feuchtigkeit aufeinander, korrodiert das unedlere schneller. Aluminium und Kupfer, verzinkter Stahl und Edelstahl in grossen Flächenverhältnissen, auch ablaufendes Wasser von Kupferdächern auf Aluminium – das sind klassische Fälle. Abhilfe schaffen Trennlagen, passende Befestigungsmittel und eine Wasserführung, die kein Metall über ein anderes spült. Auch Gerbsäure aus Eichen- oder Lärchenholz greift Zink und Aluminium an; wie Holz und Metall sauber getrennt werden, steht auf der Themenseite Holz-Metall-Fassade.
Schnittkanten und Bohrlöcher
Werkseitig beschichtete Bleche sind an der Fläche geschützt, an Schnittkanten aber nicht. Wo auf der Baustelle geschnitten oder gebohrt wird, liegt blankes Metall frei. Bei Aluminium ist das meist unproblematisch, bei Stahl nicht. Deshalb gilt: so viel wie möglich im Werk zuschneiden und Späne sofort entfernen, bevor sie auf der Beschichtung rosten.
Die Frage vor der Offerte
Wir fragen bei jedem Objekt nach Umgebung und Nutzung, bevor wir ein System empfehlen. Grundlagen zur vorgehängten Bauweise stehen auf der Themenseite hinterlüftete Metallfassade. Für eine Einschätzung genügen Standort und Fotos – schreiben Sie uns über die Kontaktseite.
22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit