Zugang für den Unterhalt: Anschlagpunkte, Hubbühne und Fassadenlift
Eine Fassade, an die niemand herankommt, wird nicht unterhalten. Der Zugang für Reinigung, Kontrolle und Reparatur ist eine Planungsfrage – und nach der Fertigstellung teuer nachzurüsten.
Die vergessene Frage
Beim Bau steht ein Gerüst, und jeder Punkt der Fassade ist erreichbar. Danach ist das Gerüst weg. Wer in zehn Jahren ein Element tauschen, eine Fuge prüfen oder eine verschmutzte Untersicht reinigen will, braucht einen Weg an die Fassade. Wird dieser Weg nicht geplant, heisst die Antwort später: neues Gerüst – oft der grösste Kostenposten eines kleinen Unterhaltsauftrags.
Die Möglichkeiten im Überblick
- Hubbühne vom Boden: Für Gebäude bis etwa vier, fünf Geschosse die einfachste Lösung – vorausgesetzt, es gibt eine tragfähige, ebene Stellfläche vor der Fassade. Rasenflächen, Tiefgaragendecken und Hanglagen setzen Grenzen.
- Seilzugang mit Anschlagpunkten: Fachleute seilen sich vom Dach ab. Dafür braucht es geprüfte Anschlagpunkte auf dem Dach, die für Personensicherung zugelassen sind.
- Hängegerüst oder Fassadenbefahranlage: Bei hohen Gebäuden fährt eine Arbeitsbühne an Schienen oder vom Dach aus an der Fassade entlang. Aufwendig, aber für regelmässige Reinigung von Glas- und Metallfassaden die sicherste Lösung.
Anschlagpunkte gehören auf das Dach
Auf Flachdächern werden Anschlagpunkte oder Seilsysteme ohnehin für die Dachwartung vorgesehen. Werden sie so angeordnet, dass man von ihnen aus auch die Fassade erreicht, deckt eine Einrichtung beide Zwecke ab. Die Anschlagpunkte müssen in das Tragwerk verankert, dicht durch die Dachhaut geführt und periodisch geprüft werden. Arbeiten mit Absturzgefahr regeln die Bauarbeitenverordnung und die Vorgaben der Suva.
Was die Fassade selbst beitragen kann
- Austauschbare Elemente: Eingehängte Kassetten lassen sich einzeln von aussen lösen, ohne Nachbarelemente zu öffnen.
- Revisionsöffnungen: An Stellen mit Technik in der Hinterlüftung – Kabel, Leuchten, Sensoren – spart eine Revisionsklappe spätere Eingriffe.
- Selbstreinigende Geometrie: Wo Regen die Flächen abwäscht, fällt kaum Reinigung an. Kritisch sind geschützte Zonen unter Vordächern und Balkonen.
Dokumentieren, was verbaut ist
Unterhalt beginnt mit Wissen: Welches System, welche Farbe, welche Befestigung, welche Anschlagpunkte mit welchem Prüfdatum? Eine vollständige Dokumentation bei der Abnahme ist die Grundlage für jeden späteren Eingriff. Mehr dazu in den Beiträgen zur Wartungsfreundlichkeit und zur Bauabnahme.
Unser Rat
Klären Sie den Unterhaltszugang in der Planungsphase, zusammen mit Dachdecker und Fassadenbauer. Die Frage kostet dann eine Besprechung, später ein Gerüst. Für die Planung Ihrer Fassade stehen wir über Planung und Beratung zur Verfügung.
22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit