Asbest und PCB: Schadstoffe bei der Fassadensanierung
Faserzementplatten, Fugenkitte, Kleber: In Fassaden aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren stecken oft Schadstoffe. Wer sie vor dem Rückbau nicht findet, gefährdet Arbeiter, Bewohner und den Terminplan.
Warum das Baujahr zählt
Asbest wurde in der Schweiz bis zu seinem Verbot 1990 in vielen Bauprodukten eingesetzt, PCB in Fugendichtungen vor allem zwischen den Fünfziger- und Siebzigerjahren. Gebäude aus dieser Zeit machen einen grossen Teil der heutigen Fassadensanierungen aus. Solange die Materialien fest gebunden und unbeschädigt sind, geht von ihnen wenig Gefahr aus. Beim Schneiden, Bohren, Brechen oder Abschleifen werden Fasern und Stoffe aber freigesetzt.
Wo Schadstoffe an der Fassade stecken
- Faserzementplatten: Ältere Fassadenschindeln und -platten aus Faserzement enthielten oft Asbest.
- Fugenkitte und Dichtmassen: Fugen zwischen Betonelementen und an Fensteranschlüssen können PCB oder Asbest enthalten.
- Kleber und Spachtelmassen: Unter Platten und in Anschlüssen.
- Anstriche und Putze: Einzelne Putze und Farbanstriche enthielten Asbestfasern oder schwermetallhaltige Pigmente.
- Brüstungs- und Fensterelemente: Leichtbauplatten in Brüstungen und Fensterbänken.
Die Abklärung vor dem Eingriff
Bei Gebäuden, die vor 1990 erstellt wurden, muss vor Umbau- und Sanierungsarbeiten abgeklärt werden, ob Schadstoffe vorhanden sind. Das verlangen die Suva und in vielen Kantonen auch die Baubewilligung. Die Abklärung macht eine spezialisierte Fachperson: Sie entnimmt Proben an verdächtigen Stellen, lässt sie im Labor untersuchen und hält die Ergebnisse in einem Bericht fest.
Dieser Bericht gehört in die Ausschreibung. Ohne ihn können Unternehmer nicht korrekt offerieren, und ein Fund während der Arbeiten stoppt die Baustelle.
Was bei einem Fund passiert
Schadstoffhaltige Materialien werden vor den eigentlichen Fassadenarbeiten von einer spezialisierten, anerkannten Sanierungsfirma entfernt. Je nach Material und Zustand geschieht das mit Abschottung, Unterdruck und Schutzausrüstung. Die Abfälle werden getrennt verpackt und entsorgt. Erst danach beginnen Rückbau und Montage der neuen Fassade.
Für den Terminplan heisst das: Die Schadstoffsanierung ist ein eigener Schritt, der vor dem Gerüst für die Fassadenarbeiten liegt oder dasselbe Gerüst nutzt. Wer ihn früh einplant, verliert keine Zeit.
Überdecken statt entfernen?
In einzelnen Fällen kann fest gebundenes, unbeschädigtes Material an Ort bleiben und von der neuen Fassade überdeckt werden. Voraussetzung ist, dass für die Befestigung der neuen Unterkonstruktion nicht durch das Material gebohrt werden muss oder dass diese Bohrungen unter Schutzmassnahmen erfolgen. Das entscheidet die Fachperson für Schadstoffe, nicht der Fassadenbauer. Zu bedenken ist auch: Das Material bleibt im Gebäude und fällt beim nächsten Umbau erneut an.
Unser Vorgehen
Bei älteren Gebäuden fragen wir vor der Offerte nach dem Schadstoffbericht. Liegt keiner vor, empfehlen wir die Abklärung, bevor wir den Rückbau offerieren. So bleibt die Fassadenrenovation kalkulierbar. Wie Sanierungen im bewohnten Zustand organisiert werden, zeigt die Themenseite Metallfassade am Wohnhaus.
22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit