Zum Inhalt springen

Stehfalzfassade: Material, Scharen und Befestigung

Der Stehfalz ist eine der ältesten Metallbauweisen überhaupt. An der Fassade verbindet er handwerkliche Anmutung mit einer Hülle, die Jahrzehnte hält.

Was eine Stehfalzfassade ist

Bei einer Stehfalzfassade werden lange Blechbahnen, die sogenannten Scharen, an den Längsrändern hochgekantet und miteinander verfalzt. Die Falze stehen als feine Rippen aus der Fläche und geben der Fassade ihr typisches Linienbild. Befestigt werden die Scharen verdeckt über Hafte, die in den Falz eingreifen – von aussen ist keine Schraube zu sehen.

Die Bauweise stammt vom Metalldach und wird dort seit Jahrhunderten eingesetzt. An der Fassade läuft der Falz meist senkrecht, kann aber auch waagrecht oder diagonal verlegt werden.

Materialien

  • Titanzink: Bildet mit der Zeit eine graue Patina, die das Material schützt. Werkseitig vorbewittert erhältlich, damit die Farbe von Anfang an gleichmässig ist.
  • Kupfer: Wird zuerst braun, später je nach Umgebung grün. Sehr langlebig, aber teuer, und ablaufendes Wasser verfärbt darunterliegende Flächen.
  • Aluminium: Leicht, in vielen Farben beschichtet erhältlich, sehr korrosionsbeständig.
  • Edelstahl und beschichteter Stahl: Seltener, für besondere Anforderungen.

Fest- und Schiebehafte

Lange Scharen dehnen sich bei Temperaturwechseln erheblich. Deshalb wird jede Schar in einem kurzen Bereich mit festen Haften fixiert, im Rest mit Schiebehaften, in denen die Schar gleiten kann. Wo der Festbereich liegt, hängt von Länge und Neigung ab. Wird alles fest geheftet, wirft die Schar Wellen oder die Hafte reissen aus.

Der Untergrund

Stehfalz braucht einen durchgehenden Untergrund, auf dem die Hafte befestigt werden – traditionell eine Holzschalung mit Trennlage, alternativ Trapezblech oder spezielle Profile auf einer Metallunterkonstruktion. Die Schalung liegt auf der Unterkonstruktion der hinterlüfteten Fassade, dahinter bleibt die Luftschicht. Bei Titanzink ist eine strukturierte Trennlage wichtig, damit Feuchtigkeit an der Rückseite abtrocknen kann; sonst kann das Material von hinten korrodieren.

Was die Montage anspruchsvoll macht

  • Die Scharen werden auf der Baustelle oder im Werk profiliert und auf Länge gefertigt; sehr lange Scharen brauchen Platz und Hebezeug.
  • Falze werden mit Handwerkzeug oder Falzmaschinen geschlossen. Gleichmässige Falzhöhen entscheiden über das Bild der ganzen Fassade.
  • Anschlüsse an Fenster, Sockel und Attika sind Spenglerarbeit und verlangen Erfahrung mit dem jeweiligen Material.
  • Kupfer oberhalb von Zink oder Aluminium ist wegen Kontaktkorrosion zu vermeiden – siehe Korrosivität am Standort.

Wo Stehfalz passt

Stehfalz eignet sich für Wohnbauten, Anbauten und Aufstockungen mit klarer, ruhiger Gestaltung, besonders wenn Dach und Wand aus demselben Material bestehen sollen. Wie Format, Linienbild und Farbe wirken, zeigt die Themenseite Metallfassade in der Architektur; weitere Bauarten stehen unter Fassadenarten.

22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Zurück zur Übersicht