Blitzschutz und Erdung bei Metallfassaden
Metall leitet. An der Fassade ist das Chance und Risiko zugleich: Richtig verbunden kann die Bekleidung den Blitzstrom ableiten, falsch ausgeführt entstehen Überschläge und Schäden.
Wann ein Blitzschutz nötig ist
In der Schweiz schreiben die Brandschutzvorschriften für bestimmte Gebäude einen Blitzschutz vor – etwa für Hochhäuser, Beherbergungsbetriebe, Bauten mit grosser Personenbelegung und exponierte Objekte. Für viele andere Gebäude ist er freiwillig, wird aber von Bauherrschaften und Versicherungen oft gewünscht. Ob und in welcher Schutzklasse, legt die Planung fest; ausgeführt wird der Blitzschutz von einer Fachfirma nach den Leitsätzen von Electrosuisse.
Die Fassade als natürliche Ableitung
Ein Blitzschutzsystem besteht aus Fangeinrichtung auf dem Dach, Ableitungen an der Fassade und Erdung. Eine Metallfassade kann die Aufgabe der Ableitungen übernehmen, wenn sie dafür geeignet ist. Man spricht dann von einer natürlichen Ableitung. Voraussetzung ist, dass die Metallteile von oben bis unten dauerhaft elektrisch leitend miteinander verbunden sind und die Materialstärke ausreicht.
Genau hier liegt die Schwierigkeit: Eine hinterlüftete Fassade besteht aus vielen einzelnen Elementen, die über Kunststoffbeilagen, thermische Trennungen und beschichtete Oberflächen montiert sind. Diese Trennungen sind aus bauphysikalischen Gründen gewollt, unterbrechen aber den Stromweg.
Verbindungen richtig ausführen
- Unterkonstruktion durchverbinden: Die Profile der Unterkonstruktion werden an definierten Stellen leitend miteinander und mit der Fangeinrichtung verbunden, etwa über Überbrückungslaschen.
- Thermische Trennung überbrücken: Wo Konsolen vom Tragwerk thermisch getrennt sind, braucht es eine separate leitende Verbindung – ohne die Trennung aufzuheben.
- Anschluss an die Erdung: Am Sockel wird die Fassade an den Fundamenterder oder die Erdungsanlage angeschlossen.
- Kontaktkorrosion vermeiden: Verbindungsteile müssen zum Material der Fassade passen, sonst korrodiert die Verbindung mit der Zeit.
Abstände zu anderen Installationen
Fliesst der Blitzstrom über die Fassade, können auf nahe liegende Leitungen gefährliche Spannungen überspringen. Photovoltaikmodule, Leuchten, Kameras und Kabel in der Hinterlüftungsebene müssen deshalb entweder in den Blitzschutz eingebunden oder mit einem Trennungsabstand geführt werden. Bei einer PV-Fassade gehört das zwingend in die Planung.
Koordination auf der Baustelle
Der Blitzschutz wird häufig vergessen, bis die Fassade steht. Dann müssen Bleche wieder geöffnet werden, um Verbindungen nachzurüsten. Besser ist es, Blitzschutzfirma und Fassadenbauer vor Montagebeginn an einen Tisch zu bringen und die Verbindungspunkte in die Werkplanung aufzunehmen. Die Verbindungen werden dann während der Montage gesetzt und vor dem Schliessen der Fassade dokumentiert und gemessen.
Unsere Rolle
Wir führen die Metallfassade so aus, dass die Blitzschutzfirma sie nutzen kann, und setzen die vereinbarten Verbindungen in der Unterkonstruktion. Die Planung, Messung und Abnahme des Blitzschutzes selbst liegt bei der Fachfirma. Wie ein Metallfassadenprojekt sonst abläuft, zeigt die Themenseite Metallfassadenbau.
22. September 2026 · 3 Min. Lesezeit